Description
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Pop Art - Andy Warhol Warhol, Andy Bedeutender Originalfilm Andy Warhols, ehemals aus der Sammlung Pontus Hultén. Lonesome Cowboys. 6 Filmspulen in 2 original Metallboxen. 1967/68. 35 mm, 109 min. Bis auf 1 Spule je mit Papierbanderole, dort bezeichnet, betitelt u. nummeriert als Exemplar 10 und mit Spulennummern versehen. Die Boxen je ca. 40 cm Durchmesser. Je mit Resten alter Etiketten wie zeitgenössischen Fluglabeln, teils angerostet. Die Banderolen gekennzeichnet mit den Adressen des Movielab Building, New York und "Manufactured by SIEBEL COMPANY Div. of Prospect Press" New York sowie gestempelt "International Amusement Corp." - Provenienz: seit ca. 2010 Rheinländische Privatsammlung, ehemals Privatsammlung Stockholm und davor ehemals Sammlung Pontus Hultén. - Von Februar bis März 1968 fand im Moderna Museet in Stockholm die erste institutionelle Einzel-Ausstellung Andy Warhols statt. Sie wurde kuratiert vom Gründungsdirektor des Museums Pontus Hultén und Olle Granath. In Zusammenarbeit mit Kaspar König entstand ein Ausstellungskatalog. Der Stil der knallbunten Pop-Art, die Person Andy Warhol und die Massenproduktion von Siebdrucken amerikanischer Bild-Ikonen wie Marilyn Monroe, Elvis Presley, Coca Cola-Flaschen und Campbell´s Soup-Dosen scheinen im kunsthistorischen Gedächtnis deckungsgleiche und untrennbare Layer. Wer an Pop-Art denkt, denkt an Warhol. Aber Warhol war auch leidenschaftlicher Filmemacher. Eine 6-stündige Vorführung des schlafenden Dichters John Giorno (Sleep, 1963) oder die von Warhol ernannten "Superstars" seiner Factory in improvisierten Szenen aus Gewalt und Drogenkonsum (Chelsea Girls, 1966) stießen seinerzeit weit weniger auf Beifall. Es sind experimentelle Underground-Filme, die eine Gegenkultur zur großen Filmindustrie Hollywoods darstellen. Seit den 1960er Jahren betätigte sich Andy Warhol für etwa fünf Jahre als Regisseur und Produzent und gab die Malerei für einige Zeit auf. Eingebettet in das Treiben der New Yorker Bohème aus Künstlern, Musikern und Schauspielern bot sich reichlich Material für Filme, die teils bewusst auf professionelle Drehbücher und Regie verzichteten und den Charakter von Kunstfilmen trugen. In seinen Produktionen von 1963 bis 1964 konzentrierte sich Warhol mit Kiss (1963), Eat (1964) und Empire (1964) auf ein Thema bzw. ein Motiv und zugleich absolute Reduktion durch nahezu fehlende Handlung. Letzterer führt 8 Stunden lang das Empire State Building vor. Der Voyeurismus der Kamera, der gerade die Sehnsucht der amerikanischen Bevölkerung nach einer - wenngleich ausschließlich visuellen - Teilhabe am exaltierten Leben der New Yorker Untergrundszene impliziert, findet seinen Ausdruck in Warhols Filmen der folgenden Jahre. Mit Vinyl (1965) platzierte er seine Interpretation von Anthony Burgess Roman A Clockwork Orange. Schließlich gelang mit Chelsea Girls der Durchbruch und der Underground-Movie als Genre wurde öffentlich registriert. - "What we had to offer (...) was a new, freer content and a look at real people, and even though our films weren´t technically polished, right up through ´76 the underground was one of the only places people could hear about forbidden subjects and see realistic scenes of modern life." 1 - Pop-Art erhob die Low-Culture von Konsum, Massenmedien, Werbung und Kitsch nicht nur zur High-Culture, sondern überhöhte und überreizte sie auch. Elemente von Camp scheinen auf, der gerade in den 1950er und 1960er Jahren im Zenit stand. Ursprünglich Zeichencode der subkulturellen Schwulen-Szene in der Form extremer Theatralik, verherrlicht Camp das Banale liebevoll. Susan Sontag machte 1964 letztlich in ihrem Essay Notes on Camp die Verbindung zwischen Camp und Homosexualität offenkundig. Dies nutze Warhol als Vorlage für seinen Film Camp (1965). In der Art einer Revue tauschen sich der Transvestit Mario Montez, der Tänzer Paul Swan und andere über ihre kindlichen Sommer-CAMP-Erfahrungen aus. Ein Zeremonienmeister führt durch den Abend. Starke Ausleuchtung, Tanz und Gesang geben das Setting, Selbstironie schwingt mit. - "All my films are artificial but then everything is a sort of artificial, I don´t know where the artificial stops and the real starts." 2 - Horse (1965), eine Art Vorläufer von Lonesome Cowboys (1968) dokumentiert bereits Warhols sexuelle Liberalität. Mit Viva und Joe Dallesandro in den Hauptrollen und in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Paul Morissey sollte Lonesome Cowboys dann seine Variante von Romeo und Julia werden (ursprünglicher Titel Ramona und Julian), jedoch in das Genre des Western verlagert. In Warhol´scher Manier fand der Dreh in der Westernstadt Old Tuscon (Arizona) nahezu skriptfrei und improvisiert statt. Klare Handlungsstränge und Beziehungen zwischen den Darstellern lassen sich wenig erkennen. Einer Gruppe homosexueller Cowboys schließt sich Julian (Tom Hompertz) an und bringt damit das Gruppengefüge ins Wanken. Auch die nymphomane Bordellbesitzerin Ramona D'Alvarez (Viva) bedroht den Zusammenhalt der Truppe, als sie Julian verführen will. Ergänzt wird der illustre Reigen durch einen Sheriff als Transvestiten und ein männliches Kindermädchen. Die ausschweifenden Szenen stießen bei Bewohnern und Besuchern der Westernstadt auf Unmut und führten schließlich zur Überwachung durch das FBI. Erst 1962 schaffte Illinois als erster amerikanischer Bundesstaat das Gesetz gegen sexuelle Perversionen und damit auch Homosexualität ab. Mit der Fokussierung des Sexuellen im Gewand des Western wird dem großen amerikanischen Mythos von der Eroberung des "wilden" Landes der Spiegel vorgehalten und durch Overacting im campy Stil zusätzlich persifliert. Der Film bricht mit den konventionellen und normativen Wertvorstellungen einer amerikanischen Gesellschaft der 1940er und 1950er Jahre und exemplifiziert die gesamte Aufbruchstimmung der 1960er Jahre mit ihren politischen und kulturellen Umwälzungen, allen voran die Popularisierung von freier Liebe und Drogenkonsum in der Hippie-Bewegung. Auf Plakaten hinreichend provokativ beworben und unter anderem auf dem San Francisco International Film Festival gezeigt, ist Lonesome Cowboys Warhols meistgespielter und bekanntester Film. Die zeitgenössischen Presse- und Publikumsreaktionen waren jedoch vornehmlich Verisse und grundlegende Kritiken an der filmischen Qualität. Von der New York Times als uninteressant und banal deklariert, wurde oft der fehlende Plot bemängelt. Warhol war bei seinen Dreharbeiten aber bewusst an unprofessionell anmutender Kamera- und Lichtführung interessiert. Nicht die Story, sondern die Darsteller standen im Fokus. - "The lighting is bad, the camera work is bad, the projection is bad, but the people are beautiful." 3 - Lonesome Cowboys war Warhols letzter Film, bei dem er sich selbst an Regie und Produktion beteiligte. Nach dem Attentat auf ihn durch Valerie Solana übernahm Morrissey die Produktion in der Factory und Filme wie Trash (1970), Heat (1971), Andy Warhol´s Frankenstein (1973) und Bad (1976) feierten internationale Erfolge. Die filmische Inszenierung seiner eigenen Welt aus Factory, Parties, Drogen, Homosexualität, Pornografie und Avantgarde bildet eine Differenzerfahrung zur klassischen Filmindustrie. Warhols Umgang mit der amerikanischen Konsumkultur und ihrem artifiziellen Charakter stellt dennoch keine Kritik derselben als künstlerischer Ansatz dar. Er greift sie auf und entwickelt daraus die Freiheit, konkret das zu zeigen was ist - ohne Vortäuschungen, Verweise auf etwas anderes oder tiefere Interpretationsebenen, stattdessen mit der nötigen Portion Ironie. - "If you want to know all about Andy Warhol, just look at the surface of my paintings and films and me, and there I am. There's nothing behind it." 4 - (Lit.: Andy Warhol. Giant Size. Berlin, 2008, Phaidon. S. 284 ff. - Weaver, Neil. The Warhol Phenomenon: Trying To Unterstand It. In: After Dark Magazine, 1969. S. 23-30. - Moderne Museet, Homepage.) 1: Hackett, Pat u. Andy Warhol. POPism: The Warhol ´60s. New York, 1980, S. 280. 2: McShine, Kynaston (Hrsg). Andy Warhol A Retrospective. New York, 1989. S. 461. 3: The Modern Star. The Museum of Modern Art. Andy Warhol A Retrospective. New York, 1989. S. 7. 4: Shafrazi Tony. Andy Warhol Portraits. London, 2007. S. 19. Important original film by Andy Warhol, formerly from the Pontus Hultén collection. Lonesome Cowboys. 6 film reels in 2 original metal boxes. 1967/68. 35 mm, 109 min. Except of 1 reel each with paper sleeve, there inscribed, titled and numbered as copy 10 and provided with reel numbers. The boxes each approx. 40 cm in diameter. Each with residues of old labels like contemporary flight labels, partly rusted. The labels marked with the addresses of the Movielab Building, New York and "Manufactured by SIEBEL COMPANY Div. of Prospect Press" New York as well as stamped "International Amusement Corp." - Provenance: since approx. 2010 private collection Rhineland, formerly private collection Stockholm and before that formerly collection Pontus Hultén. - Andy Warhol's first institutional solo exhibition took place at the Moderna Museet in Stockholm from February to March 1968. It was curated by the museum's founding director Pontus Hultén and Olle Granath. An exhibition catalogue was produced in collaboration with Kaspar König. - Important original film by Andy Warhol, formerly from the Pontus Hultén collection. Lonesome Cowboys. 6 film reels in 2 original metal boxes. 1967/68. 35 mm, 109 min. Except of 1 reel each with paper sleeve, there inscribed, titled and numbered as copy 10 and provided with reel numbers. The boxes each approx. 40 cm in diameter. Each with residues of old labels like contemporary flight labels, partly rusted. The labels marked with the addresses of the Movielab Building, New York and "Manufactured by SIEBEL COMPANY Div. of Prospect Press" New York as well as stamped "International Amusement Corp." - Provenance: since approx. 2010 private collection Rhineland, formerly private collection Stockholm and before that formerly collection Pontus Hultén. - Andy Warhol's first institutional solo exhibition took place at the Moderna Museet in Stockholm from February to March 1968. It was curated by the museum's founding director Pontus Hultén and Olle Granath. An exhibition catalogue was produced in collaboration with Kaspar König. - The style of brightly coloured Pop Art, the person Andy Warhol and the mass production of silkscreen prints of American pictorial icons such as Marilyn Monroe, Elvis Presley, Coca Cola bottles and Campbell's Soup cans seem congruent and inseparable layers in art historical memory. When you think of Pop Art, you think of Warhol. But Warhol was also a passionate filmmaker. A six-hour screening of the sleeping poet John Giorno (Sleep, 1963) or the Warhol-appointed "superstars" of his Factory in improvised scenes of violence and drug use (Chelsea Girls, 1966) met with far less acclaim at the time. They are experimental underground films that represent a counterculture to the big Hollywood film industry. Beginning in the 1960s, Andy Warhol worked as a director and producer for about five years and gave up painting for a time. Embedded in the hustle and bustle of New York's bohemian scene of artists, musicians and actors, there was plenty of material for films, some of which deliberately dispensed with professional scripts and direction and bore the character of art films. In his productions from 1963 to 1964, Warhol concentrated on one theme or motif with Kiss (1963), Eat (1964) and Empire (1964) and at the same time absolute reduction through almost no plot. The latter shows the Empire State Building for 8 hours. The voyeurism of the camera, which implies precisely the longing of the American population to participate - albeit exclusively visually - in the exalted life of the New York underground scene, finds expression in Warhol's films of the following years. With Vinyl (1965) he placed his interpretation of Anthony Burgess' novel A Clockwork Orange. Finally, with Chelsea Girls, the breakthrough came and the underground movie as a genre was publicly registered. - "What we had to offer (...) was a new, freer content and a look at real people, and even though our films weren't technically polished, right up through '76 the underground was one of the only places people could hear about forbidden subjects and see realistic scenes of modern life." 1 - Pop Art not only elevated the low culture of consumerism, mass media, advertising and kitsch to high culture, but also exaggerated and overstimulated it. Elements of camp appear, which was at its zenith in the 1950s and 1960s. Originally sign code of the subcultural gay scene in the form of extreme theatricality, Camp lovingly glorifies the banal. Susan Sontag ultimately made the connection between camp and homosexuality obvious in her 1964 essay Notes on Camp. Warhol used this as a template for his film Camp (1965). In the manner of a revue, transvestite Mario Montez, dancer Paul Swan and others share their childhood summer camp experiences. A master of ceremonies leads through the evening. Strong lighting, dance and singing provide the setting, self-irony resonates. - All my films are artificial but then everything is a sort of artificial, I don't know where the artificial stops and the real starts." 2 - Horse (1965), a kind of precursor to Lonesome Cowboys (1968) already documents Warhol's sexual liberality. Starring Viva and Joe Dallesandro, and in collaboration with director Paul Morissey, Lonesome Cowboys was then to become his variant of Romeo and Juliet (originally titled Ramona and Julian), but shifted into the genre of the Western. In Warholian manner, the filming took place in the western town of Old Tuscon (Arizona) almost script-free and improvised. Clear plot lines and relationships between the actors can hardly be discerned. Julian (Tom Hompertz) joins a group of homosexual cowboys and thus upsets the group structure. The nymphomaniac brothel owner Ramona D'Alvarez (Viva) also threatens the cohesion of the troupe when she tries to seduce Julian. The illustrious round is completed by a sheriff as a transvestite and a male nanny. The debauched scenes were met with resentment by residents and visitors to the western town and eventually led to surveillance by the FBI. It was not until 1962 that Illinois became the first American state to abolish the law against sexual perversions and thus also homosexuality. With the focus on the sexual in the garb of the Western, the mirror is held up to the great American myth of the conquest of the "wild" land and additionally satirised by overacting in campy style. The film breaks with the conventional and normative values of the American society of the 1940s and 1950s and exemplifies the entire mood of departure of the 1960s with its political and cultural upheavals, above all the popularisation of free love and drug consumption in the hippie movement. Promoted provocatively enough on posters and shown at the San Francisco International Film Festival, among others, Lonesome Cowboys is Warhol's most played and best known film. Contemporary press and audience reactions were primarily disparagements and basic criticisms of the film's cinematic quality. Declared uninteresting and banal by the New York Times, the lack of plot was often criticised. Warhol was deliberately interested in unprofessional-looking camera and lighting work during his filming. The focus was not on the story but on the actors. - The lighting is bad, the camera work is bad, the projection is bad, but the people are beautiful. 3 - Lonesome Cowboys was Warhol's last film to be directed and produced by himself. After the assassination of him by Valerie Solana, Morrissey took over production at the Factory and films such as Trash (1970), Heat (1971), Andy Warhol's Frankenstein (1973) and Bad (1976) enjoyed international success. The cinematic staging of his own world of Factory, parties, drugs, homosexuality, pornography and the avant-garde forms an experience of difference from the classical film industry. Warhol's dealing with the American consumer culture and its artificial character is not, however, a critique of it as an artistic approach. He takes it up and develops from it the freedom to show concretely what is - without pretences, references to something else or deeper levels of interpretation, but instead with the necessary portion of irony. - If you want to know all about Andy Warhol, just look at the surface of my paintings and films and me, and there I am. There's nothing behind it. 4 - (Lit.: Andy Warhol. Giant Size. Berlin, 2008, Phaidon. P. 284 ff. - Weaver, Neil. The Warhol Phenomenon: Trying To Understand It. In: After Dark Magazine, 1969. pp. 23-30. - Moderne Museet, Homepage.) 1: Hackett, Pat and Andy Warhol. POPism: The Warhol '60s. New York, 1980, p. 280. 2: McShine, Kynaston (ed.). Andy Warhol A Retrospective. New York, 1989. p. 461. 3: The Modern Star. The Museum of Modern Art. Andy Warhol A Retrospective. New York, 1989. p. 7. 4: Shafrazi Tony. Andy Warhol Portraits. London, 2007. p. 19.